Ein Buch in 40 Tagen? Warum?

Ein Buch in 40 Tagen? Warum?

Well. Eigentlich ist dieses Projekt entstanden, weil ich mit einem Kumpel darüber gesprochen habe, wie es wäre, MLM zu schreiben. Ich schreibe normalerweise sapphic Romance und hatte vor diesem Gespräch noch nie das Bedürfnis, meine sicheren Gewässer zu verlassen.

Aber um meine Beweggründe zu erklären, muss ich ein bisschen weiter ausholen. Ich schreibe meine Bücher nicht mit dem Ziel, eine erfolgreiche Autorin zu werden. Versteht mich nicht falsch – ich hätte absolut nichts dagegen, vom Schreiben leben zu können, aber das ist nicht der Grund.

Ich schreibe, weil ich nicht anders kann. Weil mein Geist rastlos ist. Weil Geschichten zu Papier zu bringen (oder in ein Word-Dokument) eines der wenigen Ventile neben Sport ist, die mich wirklich ausgleichen. Beim Schreiben geht es mir nicht um die Geschwindigkeit, sondern um die „Reise“. Manchmal dauert es Monate, manchmal nur wenige Wochen. Es hängt selten von der Motivation ab, sondern eher vom Rechercheaufwand und davon, wie viel Zeit ich gerade habe. Kurz gefasst: Ich schreibe, weil es mich glücklich macht. 

Im Schnitt verbringe ich etwa drei bis vier Stunden nach der Arbeit mit meinen Büchern – sei es Lektorat, Marketing oder Schreiben. Natürlich gibt es auch Tage, an denen der Laptop zu bleibt und ich mich mit Freunden treffe oder schlicht zu müde bin. Mein typischer Schreiballtag beginnt nach dem Abendessen oder nach dem Sport. Während meine Partnerin Netflix schaut, sitze ich neben ihr mit Noise-Cancelling-Kopfhörern und schreibe.

Aber um auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen: Warum schreibe ich einen Roman in 40 Tagen? Der Plot, den ich im Kopf hatte, hat mich gefesselt. Ich war sofort Feuer und Flamme für diese Geschichte. Deshalb fand ich die Challenge spannend: ein Buch in einem komplett neuen Genre zu schreiben.

Aber ich kenne mich selbst. Und ich wusste, dass dieses Projekt nur funktionieren kann, wenn ich mir ein paar Regeln auferlege. Zum Beispiel eine klare Zeitspanne. Es ist nämlich das erste Mal, dass ich den Entstehungsprozess öffentlich teile. Und ich hatte ehrlich gesagt Angst, dass ich irgendwann einfach aufhöre zu posten, wenn sich das Ganze über Monate zieht.

An dieser Stelle möchte ich sagen: Jede Art zu schreiben und jede Dauer ist vollkommen legitim. Aber für mich persönlich war eine zeitlich begrenzte Challenge die einzige Möglichkeit, selbst nicht das Interesse zu verlieren.

Anyway. Let’s go.

Die ersten Tage sind wie im Flug vergangen. Ich habe einfach geschrieben. Ich hatte kein fixes Tagesziel, aber ich habe ausgerechnet, dass ein Roman mit 80.000 Wörtern ungefähr 2.000 Wörter pro Tag bedeutet. Das sind etwa zwei Stunden Schreiben täglich – wenn es gut läuft.

Nach zwanzig Tagen hatte ich schon so viel geschrieben, dass ich fast Angst hatte, den Fortschritt zu teilen. Selbst für mich war es überraschend, wie viel zusammengekommen ist. Aber ab etwa Tag 28 habe ich gemerkt, dass ich an meine Grenzen komme. Nicht wegen der Story – sondern körperlich. Ich bin es gewohnt, fünf oder sechs Stunden zu schlafen. Aber nicht jeden Tag. Über Wochen hinweg.

Also habe ich mir ein paar Tage Pause genommen. Oder besser gesagt: Mein Körper hat mich dazu gezwungen. Aber für mich war das nicht schlimm, denn ich war kurz vor dem Ende – meine Charaktere hatten sich so verselbstständigt, dass ich das ursprünglich geplante Ende nicht mehr schreiben konnte. Stattdessen haben sich neue Möglichkeiten ergeben. Und sogar ein oder zwei Spin-off-Ideen. Natürlich wollte ich meinen Figuren gerecht werden. In den letzten Wochen sind sie mir unglaublich ans Herz gewachsen. Eigentlich wollte ich eine unterhaltsame, aber einfühlsame Liebesgeschichte schreiben. Was daraus geworden ist? Ein Liebesroman mit deutlich mehr Suspense-Elementen als geplant. 

Alles lief nach Plan. 

Während ich also versucht habe, jeden Red Herring aufzulösen und gleichzeitig den Charakteren gerecht zu werden, habe ich mir mehr als einmal eine Frage gestellt:

Warum?

Nicht: Warum schreibe ich dieses Buch? Sondern: Warum fallen mir die letzten 10.000 Wörter so schwer? Seit Tag 31 habe ich deshalb nur etwa 200 Wörter geschrieben. Die Challenge geht bis zum 18. März.

Aber ganz ehrlich? I don’t care, ob ich es schaffe oder nicht. Ich weiß, dass ich es schaffen kann, wenn ich will. Das Problem ist nicht die Challenge.

Das Problem ist das Gefühl danach. Dieses Vakuum.

Du beschäftigst dich wochenlang so intensiv mit deinen Figuren, ihren Geschichten und der Welt, dass sie irgendwann Teil deines Alltags werden. Und plötzlich ist alles vorbei. Dieses Gefühl habe ich jedes Mal, wenn ich ein Buch beende. Solange ich schreibe, muss ich mir keine Gedanken über das Danach machen. Ich konzentriere mich einfach auf die Geschichte.

Vielleicht habe ich mich deshalb in den letzten Tagen selbst sabotiert. Weil ich diese Geschichte noch nicht loslassen will. Heute ist Tag 35. Ich hätte noch fünf Tage, um das Ende zu schreiben.

Und ich möchte hier transparent sein: Ich weiß, dass ich es schaffen würde. Ich weiß nur nicht, ob ich bereit bin, meine Charaktere schon gehen zu lassen.

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